Geschichte Deutschland
- Am 1. Juni 1971
erfolgte die Gründung der Organisation für direkte Demokratie durch
Volksabstimmung (freie Volksinitiative e.v.) in Düsseldorf. In der Satzung war
festgeschrieben: “Echte Wesensmerkmale der Demokratie sind: 1. Die
Willensbildung in der Politik von unten nach oben, 2. die unabdingbare
Volkssouveränität auf allen Verwaltungsebenen, 3. das Volk als sein eigener
Verfassungsgeber, ... 6. Volksveto in Einzelfällen, ... 8. Volksabstimmung in
wichtigen Angelegenheiten und Grundrechtsfragen, 9. Abwahlmöglichkeiten von
unwürdigen oder unfähigen Volksvertretern und Amtspersonen.” Adriani, Konnertz
und Thomas schreiben: ”Die Organisation entwickelt unter der Leitung von Joseph
Beuys ein umfassendes sozialpolitisches Konzept, das auf der
Dreigliederungsbewegung des Anthroposophen Rudolf Steiner beruht.” Wenn man
weiss, dass Steiner die Ideen des radikalen Luzerners Ignaz Paul Vital Troxler
(1780-1866) kannte, der als der Mann gelten darf, der den sich aristokratisch
gebärdenden Liberalismus der schweizerischen Regenerationsperiode demokratisch
aufbrach, zeichnen sich sofort weitgespannte geistesgeschichtliche Brücken ab.
- Markus Kutter: Doch dann regiert das Volk. Ein
Schweizer Beitrag zur Theorie der direkten Demokratie, Allmann Verlag 1996, S.
71
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- Ein organisatorisches
Argument, welches nicht für die Beschränkung der direkten Demokratie in der
Schweiz, aber gegen ihre Einführung in der Bundesrepublik Deutschland häufig
ins Feld geführt wird, ist die Grösse des Gemeinwesens: In der kleinen Schweiz
mit ihren im Vergleich zu den Gliedstaaten anderer Länder kleinen Kantonen
könne ein solches System zwar funktionieren, in der sehr viel grösseren
Bundesrepublik Deutschland jedoch nicht. Dieses Argument negiert zum einen die
amerikanischen Erfahrung: der Bundesstaat Kalifornien mit einer stark
ausgeprägten direkten Demokratie hat immerhin 32,3 Millionen Einwohner und eine
Fläche von 411500 Quadratkilometern, was 115 Prozent der Fläche der
Bundesrepublik Deutschland entspricht.
- Gebhard Kirchgässner, Lars P. Feld, Marcel R.
Savioz. Die direkte Demokratie. Modern, erfolgreich, entwicklungs- und
exportfähig, Franz Vahlen, 1999, S.33
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- Die direkte
Demokratie könne aufgrund der besonderen Tradition und Kultur zwar in der
Schweiz funktionieren, aber nicht in
Deutschland (oder in Gesamteuropa), wo eine solche Tradition fehle. An diesem
Argument ist richtig, dass in der Schweiz eine besondere Kultur des politischen
Diskurses besteht, die sich z.B. deutlich von jener in der Bundesrepublik
Deutschland unterscheidet. Diese Kultur, auf die im nächsten Kapitel näher
eingegangen wird, ist aber nicht nur eine Voraussetzung, sondern auch eine
Folge der direkten Demokratie: Sie kann sich überhaupt nur dann entwickeln,
wenn die Bürgerinnen und Bürger auch die Möglichkeit haben, über Sachfragen
abzustimmen. Das Fehlen einer solchen Kultur
bzw. Tradition kann daher kein Argument gegen die Einführung der
direkten Demokratie sein, es mag als Argument dafür dienen, diese schrittweise
und beginnend mit den unteren staatlichen Ebenen einzuführen. So könnte sich
eine solche Kultur auch in Deutschland entwickeln.
- Gebhard Kirchgässner,
Lars P. Feld, Marcel R. Savioz. Die direkte Demokratie. Modern, erfolgreich,
entwicklungs- und exportfähig, Franz Vahlen, 1999, S.33f
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