Dr. oec. publ. Josef Wiederkehr                         

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1. Augustrede in Urdorf

 

Sehr geehrte Urdorferinnen und Urdorfer

Werte Gäste

 

Ich freue mich ausserordentlich, dass ich heute am 1. August in meinem Heimbezirk, dem Limmattal, vor Ihnen reden darf; im noch jungen Bezirk Dietikon, welcher ja jetzt mit dem Bau des Bezirksgebäudes weiter an Selbstständigkeit und Selbstvertrauen gewinnen wird, obwohl bei der Einladung zum „kleinen“ Fest der Grundsteinlegung die Vertreter aus den Gemeinden vergessen gingen.

Urdorf gehört nicht nur zu meinem Heimbezirk, Urdorf ist auch meine Nachbargemeinde. Eine 1. Augustrede zu halten ist eine hohe Ehre aber gleichzeitig auch eine grosse Herausforderung. Lange habe ich mir darüber Gedanken gemacht, mit welchen Worten ich diesem feierlichen Anlass gerecht werden kann.

 

Natürlich bin ich mir auch bewusst, dass die Ankündigung, dass ich dieses Jahr die Rede zum Nationalfeiertag halten werde, nicht die gleich hohen Wellen werfen wird, wie dies in den letzten zwei Jahren der Fall war. Nichtsdestotrotz werde ich versuchen, Ihnen ein paar wertvolle Gedanken mit auf den Weg zu geben, denn hohe Wellen allein sind ja noch lange kein Garant für Tiefgründigkeit, im Gegenteil.

 

Ich möchte den Nationalfeiertag einerseits dazu nutzen, einen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen und andererseits Ihnen aufgrund dieser Gedanken ein paar Ideen für die zukünftige Entwicklung unseres Landes mitzugeben. Dazu wurden mir zwischen 20 und 40 Minuten Zeit eingeräumt. Ich darf Ihnen jedoch versichern, mich für die kürzere Vorgabe entschieden zu haben.

 

 

Die Geschichte der Schweiz - eine Erfolgsstory mit Auf und Abs

 

Die Geschichte der Schweiz ist eine eigentliche Erfolgsstory, auch wenn sie mit einigen Auf und Ab’s verbunden war. Es ist bewundernswert, was unsere Vorfahren trotz schwierigen Umständen zu Stande gebracht haben. Dies ist nicht selbstverständlich. Ich wage hier zu behaupten: Gäbe es die Schweiz noch nicht, so würde in der heutigen Zeit wohl jedermann davon abraten, einen Staat zu gründen, welcher neben verschiedenen Religionen zwei Konfessionen und vier Landessprachen vereinigen soll und zudem noch durch die Alpen geographisch in zwei Teile getrennt wird, keinen Zugang zum Meer hat und kaum über natürliche Ressourcen verfügt. Und trotzdem geniesst die Schweiz heute weltweit einen hervorragenden Ruf, und wohl kaum jemand käme auf die Idee zu behaupten, sie hätte keine Daseinsberechtigung. Die Schweiz ist heute eines der beliebtesten Einwanderungsländer überhaupt. Dies war aber gar nicht immer so, im Gegenteil. Lassen sie mich einige Stellen aus der Schweizer Geschichte, der industriellen Revolution und der Ortsgeschichte Spreitenbachs vorlesen, die sehr deutlich illustrieren, mit welchen Problemen unsere Vorfahren zu kämpfen hatten:

1817 wanderten rund 3000 Schweizer nach Nord- und Südamerika, aber auch nach Russland aus. Die Überfahrt nach Amerika mit Segelschiffen dauerte 30 - 60 Tage, Krankheiten wie Skorbut, Typhus, Blattern und Pocken forderten zahlreiche Opfer unter den Auswanderern.

Die Auswanderung aus der Schweiz erreichte in den Jahren 1882 / 83 mit rund 13'500 Personen einen Höhepunkt. Ziele waren die USA (83 %), Argentinien (11 %), Kanada (4 %), Brasilien (2 %). Zwischen 1820 und 1860 waren insgesamt bereits rund 37'700 Schweizer ausgewandert, bis 1870 folgten nochmals rund 23'300, und bis 1880 28'300.

 

Weil sich in den sogenannten Hungerjahren 1815/16 die Spreitenbacher wohl einschränken mussten, aber nicht eigentlich an Hunger litten, bestand für sie kein Anlass, die Heimat zu verlassen; es hätten dazu auch die finanziellen Mittel gefehlt. Erst Missernten und Teuerung um 1830 liessen den Gedanken an Auswanderungen in den Köpfen der Einwohner und der Gemeindebehörde aufkommen. Im Januar 1833 trugen einige Spreitenbacher der Gemeindeversammlung vor, sie seien Willens, ihren Besitz zu verkaufen und sich mit ihren Familien von hier weg nach Amerika zu wenden. Da sie glaubten, dass ihr Vermögen nicht ausreiche, baten sie die Gemeinde und Bürgerschaft um einen Beitrag zu ihrem Vermögen. Der Gemeinderat war einmütig der Meinung, eine solche Beisteuer aus dem Gemeindefonds könne entrichtet werden.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts plagten wiederum Missernten und damit vermehrt Armut und Teuerung die Bevölkerung. Daher stieg die Anzahl der Auswanderungswilligen wieder an.

Wenn die Auswanderungswilligen bei der Gemeinde um einen Reisebeitrag baten, so stimmte der Gemeinderat meist zu, aber erst auf den Zeitpunkt, da die Auswanderer die Reisepässe besassen und ihre Habe eingeschifft hatten.

 

 

Unsere Erfolge: Wirtschaft

 

Auch wenn Spreitenbach im Kanton Aargau liegt, so waren die Zustände in Urdorf und Dietikon nicht wesentlich anders. Heute können wir uns dies kaum mehr vorstellen. Uns geht es gut. Die Schweiz ist trotz ihrer bescheidenen Grösse und schwierigen Voraussetzungen in verschiedensten Bereichen Weltklasse - und ich spreche dabei nicht nur von Tennis oder Segeln.

Mit rund 7.5 Millionen Einwohnern, einem guten Promille der Weltbevölkerung, erwirtschaften wir rund 1% des weltweiten Bruttosozialproduktes, also rund 10 mal mehr als der durchschnittliche Erdenbürger. In den Ranglisten der höchsten Bruttosozialprodukte pro Kopf ist die Schweiz regelmässig in den Toprängen zu finden. Glücklicherweise stehen wir auch sehr gut da, was die tiefe Arbeitslosenquote anbetrifft. Trotz den Verbesserungen in den letzten Jahren liegt zwar eine Quote von unter 1%, wie wir sie früher einmal ausweisen durften, noch in weiter Ferne, trotzdem nehmen wir auch hier weltweit eine positive Sonderrolle ein.

Aber nicht nur wirtschaftlich hat die Schweiz einiges zu bieten.

 

Unsere Erfolge: Wissenschaft

 

Auch der Wissenschaftsplatz Schweiz ist bestens positioniert!

Nach Island und Schweden ist die Schweiz in Prozenten der Bevölkerung gemessen das Land mit den meisten Nobelpreisträgern.

Island hat 284'000 Einwohner und einen einzigen Nobelpreisträger - und wer kennt schon Halldor Laxness oder haben Sie je eines seiner Werke gelesen? Und die Schweden haben natürlich im Bezug auf Nobelpreise ein Heimspiel.

Was die Patente pro Kopf anbetrifft, so nehmen wir hinter Luxemburg Rang zwei ein. Bei der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen pro Million Einwohner belegen wir den ersten Platz.

Auch die Qualität der Schweizer Berufsbildung ist weltweit einmalig.

Die Schweizer kehren regelmässig mit einem Korb voller Medaillen von den Berufsweltmeisterschaften zurück.

Dies sind Gründe, warum auch Weltfirmen, wie z.B. Google, die Schweiz als Standort wählen. Und es ist unglaublich, welches Wachstum Google in Zürich hinlegt und weiter hinlegen will.

Wir sind also eindeutig Weltklasse!

Eine kleine Scheibe dieses Verdienstes darf sich sicher auch Urdorf abschneiden mit einer sehr engagierten Kantonsrätin im Bereich Bildung.

 

 

Unsere Erfolge: Lebensqualität / Lebenserwartung

 

Punkto Lebensqualität rangiert die Schweiz in allen internationalen Vergleichen ebenfalls an der Spitze. Insbesondere die Städte Zürich und Genf liegen bei Städte-Ratings regelmässig auf den ersten Plätzen. Wir verfügen über eine Infrastruktur, die europaweit zu der am besten unterhaltenen und entwickelten gehört. Auch die Wohnverhältnisse vermögen höchsten Ansprüche gerecht zu werden, was zahlreiche Wirtschaftsführer und Weltstars, wie beispielsweise IKEA-Gründer Ingvar Kamprad, Tina Turner, Udo Jürgens oder Formel-1-Fahrer Michael Schumacher u.a.m. seit Jahren schätzen und darum in der Schweiz ihr Wohndomizil haben.

Im Bereiche Lebenserwartung nehmen wir mit durchschnittlich 78.7 Jahren bei Männern und 83.9 Jahren bei Frauen Spitzenplätze ein. Auch lassen wir uns das Gesundheitswesen etwas kosten. Nach den Amerikanern geben wir pro Kopf am meisten dafür aus. Aber im Gegensatz zu den USA steht dieses hochstehende Gesundheitswesen bei uns einer viel breiteren Bevölkerungsschicht offen. Vor dem Eintritt in ein Spital muss in der Schweiz nicht zuerst ein Nachweis erbracht werden, dass eine Versicherungsdeckung besteht oder genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Urdorf war auch im Bereiche des Gesundheitswesens während 8 Jahren mit einer sehr engagierten Kantonsrätin gut vertreten.

 

 

Was sind die Erfolgsrezepte?

 

Wie war all dies möglich? Wie hat es die Schweiz trotz schwierigen Voraussetzungen doch so weit gebracht? Gibt es Erfolgsrezepte hierfür?

 

Verschiedenste Theorien wurden hierfür aufgestellt. Sehr oft ist es die Politik, die vorgibt, Patentlösungen zu besitzen. Selbstredend ist es, dass jede Partei andere, „bessere“ Rezepte anbietet.

 

Ein paar Müsterchen hierzu:

Die einen plädieren dafür, dass wir uns gegen aussen abschotten müssen, um unsere Eigenständigkeit bewahren zu können. So dürften Sie mit folgenden Aussagen auch schon konfrontiert worden sein: „Wehrt Euch vor fremden Vögten;“ „Keine Einmischung in fremde Händel“ oder „Alle Ausländer bringen ohnehin nur Probleme in die Schweiz.“ „Die einzige Ausnahme ist vielleicht noch der Arbeitskollege und der Nachbar. Die sind eigentlich doch ganz hilfsbereit. Aber sie sind eben bestens integriert und bilden deshalb die grosse Ausnahme.“

 

Bei solchen Aussagen wird schlicht und einfach ausgeblendet, wie enorm wichtig für uns der Handel mit dem Ausland ist. Da wir selber kaum über Rohstoffe verfügen, sind wir in vielen Bereichen auf Importe angewiesen. Ohne importierten Kakao wäre die Schweiz nie weltberühmt geworden für ihre Schokolade. Und die Exportindustrie bietet uns riesige Chancen. So verdienen wir jeden zweiten Franken mit dem Ausland; dies sichert unseren Wohlstand. Der Aussenhandel führt aber auch zu einer Verbreiterung der Produktepalette. Viele Güter waren vor noch nicht allzu langer Zeit in der Schweiz gar nicht erhältlich. Denken wir nur mal an unsere Speisekarte: Melonen aus Frankreich, Mozzarella und Parmaschinken aus Italien, Kiwi aus Neuseeland, Bananen aus Afrika oder Reis aus Asien. Wären Sie bereit, auf all diese feinen Dinge zu verzichten?

Nicht nur, was den Handel anbelangt, ist das Ausland für uns von Bedeutung.

Kann uns ein Krieg in unserer unmittelbaren Nachbarschaft einfach egal sein? Können wir die Grenzen vor Flüchtlingsströmen einfach schliessen? Wäre dies politisch vertretbar? Und wer sollte während sieben Tagen in der Woche, während 24 Stunden täglich unsere 1’858 km lange Landesgrenze bewachen, um die Flüchtlingsströme aufzuhalten? Wer würde finanziell für diese Massnahme aufkommen, wenn wir sehen, wie sich die Kantone nur schon darüber gestritten haben, wer die Kosten zur Sicherheit an der Rütlifeier zu übernehmen hat.

Und sind wir nicht auch in hohem Grade auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland angewiesen? Verschiedene Branchen wie z.B. das Gesundheitswesen, die Gastronomie oder der Bau würden ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland kollabieren. War es nicht gerade die Zuwanderung gut ausgebildeter Arbeitnehmer aus unserem nördlichen Nachbarland, welche uns das Wirtschaftswachstum der letzten Monate überhaupt ermöglichte?

 

Auch die umgekehrte Forderung noch vollständig offenen Grenzen ist jedoch vermessen. Die Aussage von Max Frisch anfangs der 60iger Jahre: „Wir haben Arbeitskräfte gerufen, aber es kamen Menschen“ mag vollständig zutreffen, aber das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen verursacht Konflikte, die zu Verunsicherungen in der Bevölkerung führen. Lösungen hierzu brauchen Zeit und Geduld. Die Integration fremder Kulturen ist ein aufwändiger mit Kosten verbundener Prozess.

 

Die Öffnung der Märkte wiederum stellt verschiedene Branchen vor grosse Herausforderungen. Angemessene Übergangsfristen und faire Übergangsbestimmungen sind erforderlich, um sich rechtzeitig auf die Veränderungen einstellen zu können. Veränderungen sind mit Risiken verbunden, bieten aber auch Chancen.

 

Die Schweiz hatte aber auch viel Glück, wurden wir doch von beiden Weltkriegen, welche in unseren Nachbarländern viel Zerstörung mit sich brachten, verschont.

Weshalb wurden wir verschont? War es die bewaffnete Neutralität, die uns ersparte, dass wir in kriegerische Handlungen hineingezogen wurden oder war es eine geschickte Aussenpolitik, die uns viel Leid erspart hat.

Auch hinsichtlich dieser Frage werden verschiedene Patentrezepte propagandiert, wie wir uns für die Zukunft zu rüsten hätten. Die einen empfehlen, ganz auf eine Armee zu verzichten. „Diese erzeuge nur unnötige Aggressionen. Eine friedensstiftende Aussenpolitik sei weit wirkungsvoller und diese stehe im Widerspruch zu einer Armee.“

Andere setzen sich ein für eine starke Armee, welche gerüstet ist für einen konventionellen Krieg, in welchem ein allfälliger Gegner in Panzerschlachten besiegt werden sollte. „Denn war es nicht schon im Mittelalter unsere Wehrhaftigkeit und unser Mut, die uns die Unabhängigkeit von den Habsburgern brachte und der Schweiz grosse Gebietsgewinne bescherten?“ Die Schweizer Reisläufer verdienten ja weit herum grossen Respekt und hohe Soldeinkünfte.

Andere vertreten die Auffassung, dass eine isolierte Schweizer Armee keine Zukunft mehr haben wird. „Dass sie den kommenden Herausforderungen nicht mehr gewachsen sein wird und stattdessen Kooperationen mit ausländischen Armeen eingehen müsse.“

 

 

Der Weg ist das Ziel

 

Sie sehen, für jedes Argument sind im Nu auch Gegenargumente vorhanden.

Es scheint keine einfachen Patentrezepte zu geben. Was gestern richtig war, kann morgen falsch sein. Was für das eine Mal stimmt, kann in anderen Situationen zu vollständig unerwünschten Resultaten führen.

Meines Erachtens liegt genau hier die Stärke der Schweiz! Es ist der Weg, wie wir unsere Konflikte und Probleme miteinander lösen! Immer wieder ist es der Schweiz gelungen, in kritischen Situationen zusammen zu stehen, gemeinsame Lösungen zu suchen und diese umzusetzen.

Unser Land ist aber nicht nur in der Lage, aussergewöhnliche Situationen gut zu meistern, sondern auch die alltäglichen. Lösungen werden erarbeitet unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessen. Oft sind diese weder spektakulär noch revolutionär und der Prozess braucht seine Zeit. Aber die Lösungen sind dafür grösstenteils mehrheitsfähig, grenzen nicht aus und sind beständig. So sichern sie vielen Einwohnerinnen und Einwohnern unseres Landes eine hohe Lebensqualität, und die Wirtschaft profitiert von stabilen, berechenbaren Rahmenbedingungen.

Die Erneuerung der Schweiz geschieht unspektakulär, aber ausgewogen, beständig und berechenbar, und sie wird durch das Volk mitgetragen.

 

Drei Grundpfeiler scheinen mir dabei von grösster Bedeutung:

 

 

Die direkte Demokratie, die Konkordanz und der Mittelstand als Grundpfeiler zum Erfolg

 

Lassen Sie mich diese drei Punkte genauer beleuchten.

Die direkte Demokratie ist in der Schweiz weltweit einzigartig ausgeprägt. Nirgendwo auf der Erde hat die Bevölkerung so viel Mitsprachemöglichkeiten, wie sich ihre Gemeinde, ihr Kanton und ihr Land weiter entwickeln soll. So ist auch sichergestellt, dass Veränderungen ausgewogen sind und von der Bevölkerung mitgetragen werden. Aber die direkte Demokratie funktioniert nur dann, wenn die Bevölkerung sie auch wahrnimmt und bereit ist, in sie zu investieren.

 

Die Konkordanz hat sich in der Schweiz bewährt. Zwar erscheint das Konkordanzsystem häufig umständlich, weil Lösungen nur dann mehrheitsfähig sind, wenn sie von mindestens drei grösseren Parteien oder deren Mitglieder und Sympathisanten mitgetragen werden. Jedoch können dadurch einseitige Extremlösungen verunmöglicht werden.

Die Konkordanzdemokratie ist weit weniger spektakulär als ein Regierungs-Oppositionsmodell. Die Resultate der Konkordanzpolitik sind dafür wesentlich ausgereifter und ausgewogener. Die Konkordanz funktioniert aber auch nur dann, wenn Politiker interessiert sind, an konstruktiven ausgewogenen Lösungen zu arbeiten, welche der Gesamtheit der Bevölkerung zu Gute kommen. Wenn in der Politik jedoch Spektakel und die Aufmerksamkeit der Medien im Vordergrund stehen, wird die Konkordanz ein Auslaufmodell werden. Werte Schweizerinnen und Schweizer, Sie entscheiden darüber, welche Politiker gewählt werden; ob dies Menschen sind, welche sich selber in den Mittelpunkt stellen oder das Wohl der Allgemeinheit als wichtigstes Ziel sehen.

 

Wir können aber auch stolz darauf sein, dass wir über einen recht breiten Mittelstand verfügen. Damit ist sichergestellt, dass vom wirtschaftlichen Erfolg nicht nur eine kleine Elite profitiert, wie dies leider in verschiedenen anderen Ländern dieser Erde der Fall ist. Solche starken wirtschaftlichen Gefälle, wie wir sie beispielsweise in Brasilien oder in vielen Staaten Afrikas kennen, führen zu sozialen Spannungen. Neben all dem Elend weiter Bevölkerungskreise werden auch die sozial besser Gestellten nie ein Leben in wirklicher Freiheit führen können, da sie ständig um ihr Vermögen und ihr Leben bangen müssen. In einem solchen Umfeld kann kein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung gedeihen.

Unser politisches System hat dafür zu sorgen, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinander driftet. Eine zentrale Funktion nehmen hier auch unser Klein- und Mittelbetriebe ein. 99,7 % der Schweizer Unternehmungen sind ein KMU. Diese Unternehmungen beschäftigen rund zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie bezahlen ihrem Kader in der Regel keine Millionenlöhne aus; sind sich dafür aber bewusst, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zentraler Bedeutung für den Unternehmenserfolg sind. Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten waren es immer wieder die KMUs, welche sich ihrer Verantwortung bewusst waren und ihre Mitarbeiter nicht einfach beim ersten Windstoss vor die Türe stellten. Damit KMU gedeihen können, braucht es aber auch entsprechende Rahmenbedingungen.

Sie sehen: Die direkte Demokratie, Konkordanz und Mittelstand sind keine garantierten Werte. Wir müssen Ihnen Sorge tragen.

 

 

Engagement ist gefragt!

 

Dazu können sie alle einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die direkte Demokratie nicht nur loben, sondern sie auch leben! Überzeugen sie Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte, sich politisch zu informieren und zu engagieren. Es lohnt sich, sie werden überrascht sein, wie schnell man etwas erreichen kann, wenn man sich einsetzt. Treten sie ein für eine lösungsorientierte Politik welche die Konkordanz mitträgt. Unterstützen Sie Exekutivvertreter, die das Kollegialitätsprinzip im konstruktiven Sinn leben: auch einmal zurückstehen können zu Gunsten der Gemeinschaft und nicht nur selber im Mittelpunkt stehen wollen. Helfen Sie mit, die Rahmenbedingungen für den Mittelstand zu stärken, treten Sie ein für den Arbeitsfrieden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen miteinander und nicht gegeneinander an Lösungen arbeiten, welche für beide Seiten vorteilhaft sind.

 

Damit schaffen wir das Umfeld, dass die Schweiz für ihre Weiterentwicklung braucht. Nicht vergessen werden soll dabei auch die Ökologie. Sie ist ein entscheidender Faktor für unsere Lebensqualität. Unsere Sünden werden wir früher oder später teuer büssen müssen. Also tragen wir unserer Umwelt Sorge.

 

Sie sehen,  ich habe Ihnen heute Abend keine populistischen Patentrezepte präsentieren können. Aber ich hoffe, dass ich Ihnen heute zeigen konnte, dass wir es alle in der Hand haben, dafür zu sorgen, dass sich die Schweiz positiv weiterentwickelt, sodass die 1.August-Redner auch in 100 Jahren noch auf die Erfolgsstory Schweiz verweisen können!

 

Dr. Josef Wiederkehr